3 Mai 2017

Rebsorte Gegen Gebiet

Die ganze Welt identifiziert die meisten Weine mit dem Namen der Rebsorte,aus der er gewonnen wurde:
“Kšnnen Sie mir bitte ein Glas Chardonnay geben? Ich hŠtte dagegen gerne einen Cabernet Sauvignon.“
Nichts ist normaler zwischen zwei Freunden in einer Weinstube. Allenfalls fŸgt man der Rebsorte den Namen des Winzershinzu. Aber noch šfter wissen wir nicht,was uns erwartet, wenn wir das Gebiet, in dem dieser bestimmte Winzerseine Weinberge besitzt, nicht kennen.

In den meisten FŠllen geht das Interesse des Verbrauchers bis hier her, da nur die Liebhaber weiter gehen und versuchen, mehrdarŸber zu erfahren und zu verstehen,aus welchem Gebiet ein bestimmter Wein stammt.
Die Bezeichnungen und/oder Namen der Orte, wo seit Jahren Wein hergestellt wird, dŸrften uns zu Hilfe kommen. Wenn ein bestimmtes Gebiet seit mehreren Jahrhunderten Wein hergestellt hat (und herstellt) und das Interesse daran Ÿber die Zeit bestehen geblieben ist, wurde dem Wein meistens ein Name gegeben, der mit dem Gebiet und nicht mit der Rebsorte zusammen hŠngt: Soave, Chianti, Verdicchio, Valpolicella, Barolo, Brunello, usw.
Wenn dann das bestimmte Gebiet schon seit dem Altertum (z.B. der Ršmerzeit)Wein hergestellt hat, wurde dieser Wein zum Classico: Soave Classico, Chianti Classico, usw.
In diesen Weinen wird die Zusammensetzung der Rebsorten zu Recht nicht erwŠhnt. Das Gebiet bestimmt die Eigenschaften des Weins.
Aber dieser wesentliche Punkt entgeht den meisten Verbrauchern. Die Neugier beginnt, wenn auf dem Etikett keine Rebsorte erwŠhntwird: Aus welchen Rebsortenwurde der Soave Classico gewonnen? Der Wein, der seit der Ršmerzeit hergestellt wird, hat sicherlich in erster Linie seine ursprŸngliche Sorte beibehalten, die Garganega.
Andere Classico Weine dagegen haben im Laufe der Jahrhunderte ihre Zusammensetzung der Rebsorten geŠndert. Warum?
Offensichtlich lieferten diese nicht die besten Ergebnisse, um jenes bestimmte Gebiet aufzuwerten und daher wurden bessere Sorten eingefŸhrt.
Dies zeigt, dass den Herstellern die WertschŠtzungdes Weinbaugebiets mehr am Herzen lag als die Rebsorte.
Dieses besonders wichtige Konzept wurde bis heute nicht genŸgend zum Ausdruck gebracht.
Das Konzept von Gebiet/Besonderheit/Einzigartigkeit einesWeins ist bei weitem das Wichtigste, das den Wein von allen anderen GetrŠnken unterscheidet. Der einzigartige und unvergleichliche Geschmack rŸhrt von dem Gebiet her, an das sich bestimmte Sorten angepasst haben, indem sie ihre Zusammensetzungsmerkmale geŠndert haben.

Daher sind im Fall der Gebietsweinedie Rebsorten nur die „Ziegelsteine“, mit denen man baut. Das Gebiet (von dem der Mensch ein fester Bestandteil ist) ist der Architekt, der den Palast–den Wein entwirft.
Je prunkvoller, komplexer, einzigartiger es wird, desto sicherer kšnnen wir sein, meisterhaft ausgedrŸckt, ein gro§artiges Gebiet vor uns zu haben. Die sortentypischen Merkmale verschwinden und machen Platz fŸr eine einmalige, elegante und einzigartige KomplexitŠt.
M.me De Pompadour behauptete in einem ihrer Aphorismen „Ich mag den RomanŽe-Conti, weil er nicht nach Pinot noir schmeckt“.
Wenn es dagegen kein gro§artiges Gebiet gibt, hat der Wein einen „sortentypischen“ Geschmack, den wir als „Geschmacksgrundlage“ des Weins betrachten mŸssen. Das hei§t, der Wein drŸckt die primŠren Merkmale der Traubenzusammensetzung aus. Aber er geht nicht darŸber hinaus. Er ist oft banal, eintšnig, vorhersehbar.
M.me De Pompadour verabscheute sogar die Sortentypischen Merkmaledes Pinot Nero aus Burgund…

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