12 Januar 2018

Natur und Wein

Die Natur entfaltet sich in der biologischen Vielfalt eines Waldes genau wie in der eines Dschungels spontan: dort bestehen komplexe Systeme, in denen viele unterschiedliche Pflanzen und Insekten gegeneinander und manchmal auch miteinander im Wettkampf für das Leben stehen. Der Geschmack einer Frucht, die in so einem Umfeld heranwächst, ist immer ausdrucksvoller, beeindruckender, intensiver.
Das Terroir, verstanden als die Gesamtheit der Elemente, die einen Wein deutlich charakterisieren, setzt sich aus einer Anzahl von Faktoren zusammen, von denen sich der erste und wichtigste direkt unter unseren Füßen verbirgt. Der zweite ist mit Sicherheit der klimatische Faktor, bzw. die Art, wie Sonne, Regen und Wind die Unterschiede der Jahrgänge bestimmen. Der dritte ist der Beitrag des Winzers, der die ersten beiden Aspekte interpretiert und seinem Ehrgeiz folgt, einen großen Wein zu erzeugen (siehe Wissenswertes über Verbesserungen).
Die Fähigkeit, die Natur zu beobachten und sie in ihrem tiefsten Wesen zu verstehen, liegt vor allem in der Akzeptanz der Tatsache, dass das Leben an sich im Unterboden entsteht und sich dort entfaltet. Die Qualität des Lehms ist wichtig, aber tatsächlich ist es die Vielschichtigkeit, die in der Natur den Unterschied ausmacht. In einem hochwertigen Terroir dringen die Wurzeln in die Tiefe und tragen dazu bei, dass Weine entstehen, die der vertikalen Komplexität des Bodens entsprechen. Biologische Bewirtschaftung und überlieferte Methoden zur Bearbeitung und zum Umgraben des Bodens begünstigen diesen wundervollen Prozess.
Uns entspricht der Gedanke von Stephane Derenoncourt: „Der Geschmack eines Weins entstammt direkt dem Boden und dem Unterboden, der Neigung und der Ausrichtung des Weinberges und einem bestimmten Klima. Aber auch all den kleinen Unterschieden, die ein Stück Erde aufweisen kann.“

 

Deshalb halten wir es für notwendig, die Weinberge aufmerksam zu analysieren und je nach ihrer Bodenbeschaffenheit aufzuteilen, und die unterschiedlichen Anforderungen dieser Abschnitte zu untersuchen. Das Ziel ist es, aufgelockerte, strukturierte und ausgewogene Böden zu haben, die ihre ursprünglichen Eigenschaften bewahren, und – das ist das wichtigste und gleichzeitig schwierigste –  die optimalen Voraussetzungen für die Arbeit der Mikroorganismen und der Mikroflora in der Erde bieten.
Die Weinrebe anzubauen bedeutet vor allem, ihre Natur zu verstehen, ihre Entwicklung zu begleiten, ihre Vitalität und Langlebigkeit zu gewährleisten. Auf der einen Seite gibt es die wilde Kraft der Pflanze, einer Liane, die sich unermüdlich dem Überleben und der Reproduktion widmet. Auf der anderen Seite die aufmerksame Hand des Winzers, der wissen muss, wie dieser primitive Instinkt zu nehmen und zur Exzellenz zu führen ist, indem die Eigenschaften des Bodens, des Anbaugebietes und der Rebsorte berücksichtigt werden und mit Leidenschaft und detailversessener Sorgfalt gearbeitet wird.
Es ist die aufmerksame Sensibilität des Winzers, der im Einklang mit der ihn umgebenden Natur, mit Leidenschaft und sorgfältiger Aufmerksamkeit für das Detail arbeitet, die zu dem Prozess beiträgt, der durch die Beachtung des Wesens der lebenden Natur respektvoll zur Exzellenz führt und bereits seit der Antike als „Kunst“ bezeichnet wird.